Bei Lernschwierigkeiten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Unterstützung: die Geläufigsten sind Nachhilfe, Lerntherapie oder Lerncoaching. Doch was ist das richtige Angebot für Sie oder Ihr Kind? Und lassen sich die Angebote haargenau trennen? Dieser Artikel gibt Ihnen eine erste Orientierung, sodass Sie gezielt eine Auswahl treffen können.

 

Lerntherapie

Was ist Lerntherapie?

Zur Lerntherapie kommen vorwiegend Kinder und Jugendliche mit größeren Lernschwierigkeiten. Die Therapeutin unterstützt beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder des Rechnens. Vermuten Sie beim Kind Legasthenie (Lese- Rechtschreibstörung) oder Dyskalkulie (Rechenstörung), sind Sie bei einer Lerntherapeutin an der richtigen Stelle.

Lerntherapie ist ganzheitlich. Zumindest verstehe ich sie so. Das heißt, Lesen, Schreiben und Rechnen stehen im Fokus der Therapie, jedoch nicht losgelöst vom Kind und seinem Umfeld. Denn Kinder mit erheblichen Lernstörungen erleben in der Schule Misserfolge. Das vorgegebene Lerntempo ist meistens zu schnell. Die Kinder und Eltern stehen meist unter Dauerdruck, da die Lerninhalte noch gar nicht bewältigt werden können. Lerntherapie widmet sich (neben den Kerntheramen Lesen, Schreiben, Rechnen) der emotionalen Stabilität, der mentalen Stärke des Kindes. Diese ist die Basis für ein gutes Lernen.

Zur Lerntherapie gehören auch Gespräche mit Ihnen als Eltern als auch der Austausch mit den Lehrkräften.

Wie lange dauert die Lerntherapie?

Natürlich lässt es sich nicht pauschal sagen, wie lange ein Kind lerntherapeutisch begleitet werden muss. Das hängt von der Ausprägung der Störung ab und ebenso von den finanziellen Möglichkeiten der Familie. Manche Kinder benötigen ein bis zwei Jahre Therapiezeit. Andere Kinder werden über Jahre hinweg von LerntherapeutInnen begleitet.

 

Welche Ausbildung benötigt ein Lerntherapeut?

Wie auch der des Lerncoaches, ist der Begriff Lerntherapeut nicht geschützt. Folglich darf sich jeder Mensch so nennen und eine eigene Lerntherapie-Praxis betreiben. 

Eine kleine Orientierung bei der Suche nach einer Lerntherapeutin / einem Lerntherapeuten ist die Zertifizierung durch den Bundesverband Legasthenie & Dyskalkulie e.V. Therapeuten, die ihre Weiterbildung in einer Einrichtung mit BVL-Zertifikat absolviert haben, tragen die Bezeichnung „Dyslexietherapeut nach BVL®“ bzw. „Dyskalkulietherapeut nach BVL“. Damit sollen Qualitätsstandards in der Ausbildung und späteren Tätigkeit als TherapeutIn gewahrt werden. 

Ich habe meine Ausbildung beim Institut „Wege für Kinder“ absolviert, welches BVL-Weiterbildungen anbietet. 

Lerncoaching

Was ist Lerncoaching?

Der Lerncoach unterstützt den Coachee beim Erlernen von Techniken und Strategien, um (wieder) gut lernen zu können. Gedächtnistricks erhöhen die Merkfähigkeit. Konzentrationsübungen helfen Ihnen oder Ihrem Kind dabei, länger an einem Lerngegenstand dran zu bleiben.

Beobachten Sie, dass Ihr Schreibtisch im Chaos versinkt? Oder benötigen Sie gefühlte Ewigkeiten, um ins Arbeiten zu kommen? Dann erarbeiten Sie im Lerncoaching Strategien zur Lernorganisation und Lernplanung.

Zu den Themen des Lerncoaching gehört auch das Wiedererlangen der Lernmotivation: wie kann ich mit meinem „inneren Schweinehund“ kooperieren, statt ihn erfolglos immer wieder forttreiben zu wollen…

In meinem Verständnis vom Lerncoaching, geht es darum, das Lernen zu lernen. Außerdem begleitet der Lerncoach den Klienten dabei, die eigene mentale Stärke wieder zu erlangen uns Prüfungsangst zu besiegen. Hierbei gibt es einen Schnittpunkt mit der Lerntherapie. Denn auch Lerntherapeuten arbeiten an diesen Themen.

Welche Ausbildung benötigt ein Lerncoach?

Es gibt unterschiedliche Lerncoaching-Istitute, welche Seminare oder komplette Fortbildungen anbieten.

Grundsätzlich kann sich jedoch jeder Coach oder Lerncoach nennen und diese Tätigkeit ausüben, da der Begriff des Coaches nicht geschützt ist.

Ich habe meine Ausbildung bei mindsystems absolviert und bin sehr zufrieden. Es war mir wichtig, in einer Gruppe von Mitlernenden, Techniken auszuprobieren und Feedback von MitschülerInnen und den SeminarleiterInnen zu erhalten.

Wie häufig findet Lerncoaching statt?

In der Regel treffen sich Coachee und Lerncoach ein Mal in der Woche für 45-60 Minuten. Pro Themengebiet (Konzentration, Motivation, Prüfungsangst etc.) reichen oft eine bis drei Sitzungen.

Eine Begleitung darüber hinaus, kann auch über Jahre stattfinden. Dann eher in Abständen von vier Wochen bis einem halben Jahr zur Festigung des Gelernten.

Ein Lerncoaching gibt Struktur und Sicherheit.

Nachhilfe

Was ist Nachhilfe?

Hat Ihr Kind viel Lernstoff in der Schule verpasst oder hat es Schwierigkeiten in einem bestimmten Themengebiet? Dann bearbeitet der/ die NachhilfelehrerIn mit Ihrem Kind die Lernunterlagen und unterstützt es bei den Schularbeiten. Während des Nachhilfeunterrichts arbeiten Kinder und Jugendliche am Lernstoff… so lange bis der/ die Lernende in der Lage ist, die Schulaufgaben selbst zu lösen und dem Unterricht zu folgen.

Gute Nachhilfelehrer können auch wunderbare Lerncoaches sein, welche die SchülerInnen zu mehr Leistungsbereitschaft motivieren, Konzentrations- und Gedächtnistricks verraten und einüben und bei Prüfungsängsten Mut zusprechen.

Welche Qualifikationen bringt der/die NachhilfelehrerIn mit?

Im Grunde kann jede Person Nachhilfe geben, die sich hinreichend mit dem geforderten Themengebiet auskennt und die Fähigkeit verfügt, den Lernstoff gut zu vermitteln. Es gibt zahlreiche Nachhilfeinstitute oder Einzelpersonen, welche Nachhilfe in Präsenz oder als online Nachhilfe anbieten.

 Ob Sie eher eine studierte Lehrkraft, einen Studenten oder eine Klassenkameradin für die Nachhilfetätigkeit engagieren, hängt unmittelbar mit Ihren Bedürfnissen zusammen: Ist Ihr Kind Grund- oder Gymnasialschüler? Lernt es effektiv mit Gleichaltrigen oder ist eine erwachsene Person für das gemeinsame Arbeiten geeigneter?

Online Nachhilfe oder Präsenz?

 Nachhilfeunterricht in Präsendform bietet den Vorteil, dass die Verbindung zwischen Lehrer und Schüler „greifbarer“ ist. Ist Ihr Kind schnell ablenkbar und steht oft beim Lernen auf, dann ist es sicherlich einfacher in Präsenz.

Nachhilfe online bringt einen Vorteil, wenn Sie örtlich ungebunden sein möchten. Außerdem fallen die Wege zum Nachhilfeinstitut weg und Sie und Ihr Kind haben eine Zeiterspanis. Es ist bequemer von Zuhause aus, denn mit ein paar Klicks ist Ihr Kind mit der/ dem NachhilfelehrerIn verbunden. Schon nach kurzer Zeit vor dem PC stellt sich zwischen NachhilfelehrerIn und SchülerIn eine produktive Arbeitsbasis ein und Ihr Kind kann von der online Nachhilfe profitieren.

 Zusammengefasst: Nachhilfe, Lerncoaching, Lerntherapie

 

Lerntherapie Lerncoaching Nachhilfe
Für wen

Vor allem Menschen mit Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche) und Dyslexie

Menschen, die in bestimmten Bereichen besser werden wollen; Menschen mit Lernstörungen SchülerInnen mit Lernlücken
Kernpunkte Lesen und Rechtschreiben, Rechnen und Voraussetzungen für das Lernen Voraussetzungen für das Lernen schaffen; besser Lernen Orientierung an Unterrichtsinhalten
Themen Motivation, Konzentration, Lernorganisation, Lernstrategien, Prüfungskompetenz, persönliche Ressourcen Motivation, Konzentration, Lernorganisation, Lernstrategien, Prüfungskompetenz, persönliche Ressourcen
Dauer Je nach Bedarf: 1, 2, bis mehrere Jahre je nach Bedarf: ca. 3 Sitzungen pro Thema je nach Bedarf: begleitend zum Unterricht

Fazit

Lerntherapie geht in die Tiefe. Sie umfasst alle Themen des Lerncoachings und baut diese in die Lese- Rechtschreib und Rechentherapie ein.

Lerncoaching geht auf emotionale Themen wie persönliche Ressourcen, Ängste vor Prüfungen oder die Überwindung von Motivationsproblemen. Lerncoaching befasst sich jedoch nicht mit der Diagnose und Therapie von Störungen.

Während des Nachhilfeunterrichts können Elemente des Lerncoachings einbebaut werden. Wie Gedächtnistricks oder Übungen zur Konzentration. Im Fokus steht jedoch der laufende Unterrichtsstoff oder Vorbereitung auf Prüfungen.

Haben Sie Erfahrungen mit Super-Lerncoaches oder -therapeuten? Schreiben Sie mir.